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Zuerst Amerika, dann Europa: Commerzbank-Stratege Jörg Krämer tippt auf Zinssenkungen

abgelegt im Archiv Gesamtmarkt am 16.09.07

Zuerst Amerika, dann Europa: Commerzbank-Stratege Jörg Krämer tippt auf Zinssenkungen
Will die Europäische Zentralbank (EZB) nicht ihren Leitzins weiter anheben? Das glauben die Märkte bisher. Bisher gilt eine Zinserhöhung nur als aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Über Zinssenkungen reden deshalb nur wenige. Dazu gehört jedoch der Chefvolkswirt der commerzbank, Jörg Krämer. Wieder macht der Querdenker als einer der ersten mit einer interessanten Prognose auf sich aufmerksam. Die Jahre 2000/2001 lehrten, dass niedrigere Zinsen wesentlich schneller auf die Tagesordnung kommen könnten als dies derzeit viele für möglich hielten, erwartet Krämer.



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"Zinssenkung vielleicht näher als viele denken", so titelt Krämer. Er sieht deutliche Parallelen zur Lage im Jahre 2000/2001. Damals wurde die Wachstumsprognose zwischen der letzten Zinserhöhung und der ersten Zinssenkung um 0,6 Prozentpunkte verringert. Seine aktuelle Prognose für 2008 liegt etwa einen halben Prozentpunkt unter dem Konsens und der EZB-Projektion. "Liegen wir richtig, werden sich beide in den kommenden Monaten in einem ähnlichen Umfang wie damals nach unten bewegen. Das heißt: Das Wirtschaftswachstum in Europa flaut ab. Zudem hätten die Stimmungsindikatoren in den vergangenen Monaten offensichtlich obere
Wendepunkte markiert. Damit sei die Bewegung mit derjenigen in den letzten Monaten des Jahres 2000 durchaus vergleichbar.

Anders als damals sei heute dagegen nicht von einem Kurssturz am Aktienmarkt auszugehen. Allerdings dürfte der Aktienmarkt bei der Zinssenkung im Mai 2001 keine wichtige Rolle gespielt haben, meint Krämer. So stellte die EZB in ihrem Monatsbericht nach der Zinssenkung auch fest: "Insgesamt scheinen der Pessimismus und die Unsicherheit der Anleger hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung am US-Aktienmarkt nachzulassen."

Krämer sieht heute sogar einige Faktoren mehr als damals, die für eine Zinssenkung sprechen. So habe die EZB die jüngsten Zinserhöhungen auch mit der Gefahr begründet, dass sich der Lohnanstieg aufgrund der deutlichen Verbesserung der Beschäftigungssituation verstärken könnte. Bisher sei dies nicht passiert, und trotz der zuletzt etwas höheren Lohnabschlüsse in Deutschland sei hiermit auch 2008 nicht zu rechnen. Anders sah dies im Frühjahr 2001 aus. Heute notiert der Euro gegenüber dem Dollar nahe seines Allzeithochs, damals rutschte er in Richtung Allzeittief. Von der Wechselkursentwicklung ging also ein wesentlich größeres Inflationsrisiko aus als derzeit.

Wann senkt die EZB die Zinsen? "Dies ist wesentlich wahrscheinlicher als viele denken", glaubt Krämer. Dies gelte umsomehr, als die EZB die Zinsen in den vergangenen Monaten stärker erhöht hat als sie dies normalerweise getan hat. Krämers Fazit: "Wir gehen davon aus, dass die EZB im vierten Quartal 2008 ihren Leitzins senken wird. Angesichts der Erfahrungen von vor sieben Jahren liegt das Risiko dieser Prognose sicherlich eher darin, dass sie früher handeln wird."

Mein alter Krämer-Blog zur Fed
Die Krämer-Analyse zur Konjunktur

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Tags: Zinsen  Amerika  Fed  Geldpolitik  EZB  Notenbank  Währungshüter 

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