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Kontaktbörse
von Heidi P. Trabert am 13.05.07

Unser Einfluss wird überschätzt. Vergleichen wir doch nur die Seitenabrufe der zehn Top-Blogger mit der Reichweite einer Süddeutschen, FAZ oder Welt. Ein paar zehntausend bei den Top-Ten, eine Million bei Zeitungen wie der FAZ. Wir schmieren ab. Ich weiß, der Vergleich hinkt ein wenig, aber das soll nur die Dimension verdeutlichen, in der wir uns und die großen Zeitungen sich bewegen.
Unsere Kritik wird zu ernst genommen. Die Welt ist für mich der beste Beleg. Der Springer-Verlag zeigt damit auch, dass er Offenheit, Transparenz und journalistische Unabhängigkeit nicht wirklich will. Es gibt gar keinen Grund, hämisch zu reagieren. Das Phänomen gibt es doch überall. So schreibt Top-Blogger Thomas Knüwer, dass er sich nicht über seinen Arbeitgeber äußern möchte - aus verständlichen Gründen, er wäre vielleicht bald seinen Job los. Aber warum geht das eigentlich nicht? Ein wirklich offenes, kritikfähiges Unternehmen sollte damit eigentlich kein Problem haben. Das Problem ist allerdings: Kaum ein Verlag dürfte an das Ideal herankommen. Nach außen wird Toleranz gepredigt, intern gilt vielfach Befehl und Gehorsam.
Unsere Debatte um Bestechlichkeit ist bizarr. Sie wird selbst von Top-Journalisten inzwischen wahrgenommen. Nach dem Motto: Seht her, die tun so, als seien sie besser, aber in Wirklichkeit haben sie keine Moral. Da tobt doch nur der wilde, ungezügelte Internet-Mob. Im Gegensatz zu hochanständigen Journalisten natürlich. Nun ist klar, dass Blogger nicht gleich Blogger ist. Die Motive im Netz zu schreiben, sind außerordentlich vielfältig. Und auch diese Umfrage halte ich nicht für besonders aussagekräftig. Ein Freund bewertet sie so:
"Ich halte die Befragung für recht irrelevant und nicht repräsentativ. Denn die Rahmenbedingungen waren natürlich so, wie sie im realen Leben nicht sind. Und wenn man es von Unternehmensseite betrachtet: Warum sollte ich zum Beispiel als Pflanzenhändler zigtausend Euro in die Hand nehmen, um die Gärtnerbloggerin zu bestechen, damit sie ihren 3000 Lesern am Tag heimlich meine Pflanzen unterjubelt? Da ist selbst bei ihr die Reichweite viel zu gering. Außerdem: Der Imageschaden, der beim Auffliegen entsteht (und es fliegt früher oder später auf!) ist viel zu groß. Warum nicht offen gekennzeichnete "Sponsored Posts" vereinbaren oder Werbung schalten - ist doch bei den etablierten Medien auch üblich."
Gleichwohl ist unsere Bestechlichkeits-Debatte sehr sinnvoll, weil es die Sinne schärft für das, was wir tun. Und das, was wir lieber lassen sollten. Ich habe nichts gegen Werbung und auch nichts gegen Finanziers. Doch sie sollten immer sichtbar sein für Dritte. Da liegt bekanntermaßen ja auch im Journalismus einiges im Argen, wenn ich nur an Reise- oder Motorkollegen denke. Aber auch die "Unabhängigkeit" der Journalisten-Kollegen an sich ist schon dadurch eingeschränkt, dass viele einfach Angst um ihren Job haben. Manche machen um heiße Themen gerne einen Bogen, geschrieben wird, was der Chef möchte oder gern sieht. Und der denkt oft genug zuerst an seine Anzeigenkunden, die sich vielleicht (oder auch nicht) beschweren könnten. Oder noch schlimmer: Werbung zurückziehen könnten. Renditedenken, Stellenabbau und rabiates Führungspersonal tun ein übriges. Wie sollen in einem negativen Umfeld mit sinkenden Auflagen und Dauerdruck auf Journalisten auf Dauer gute, intelligente und unterhaltsame Texte entstehen? Die Baisse speist die Baisse, würde man an der Börse sagen. Ich empfehle einen Korruptionstest.
Eine These zur Zukunft des Blogging zum Schluß: Ich glaube, dass börsennotierte Unternehmen künftig auch daran gemessen werden müssen, ob sie überhaupt Blogs haben und in welcher Form sie Blogging zulassen. Daran zeigt sich für mich, ob die oft genug abstrakt formulierte Transparenz und Toleranz auch tatsächlich intern im Unternehmen gelebt wird. Blogs sind für mich ein Gradmesser, ob ein Unternehmen genug kreative Mitarbeiter hat, die ihr Geschäft voranbringen wollen. Ist also intern genug Veränderungspotential vorhanden, um mit neuen Ideen auch künftig im Wettbewerb auf den Weltmärkten zu bestehen? Microsoft hat das bereits vor ein paar Jahren verstanden, wie in dem Buch von Scoble und Israel nachzulesen ist: "Unsere Kommunikation der Zukunft. Und das Softwareunternehmen geht offenbar weiter voran. Die meisten deutschen Unternehmen sind längst noch nicht so weit.
Permalink: Wir Blogger sind doch nicht bestechlich
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Kommentar von:
herbert
(13.05.07 3:59 Uhr)
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Ich habe auch durchaus Verständnis, dass ein Unternehmen nicht glücklich ist, wenn Interna oder innerbetriebliche Problemstellungen via Blog von den eigenen Mitarbeitern publik gemacht werden. Hier kann sehr leicht der Schritt zur Schädigung des eigenen Unternehmens gemacht werden und dies hat nur wenig mit Toleranz oder Offenheit zu tun.