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Wir Blogger nehmen uns zu wichtig

abgelegt im Archiv Kontaktbörse am 06.05.07

Wir Blogger nehmen uns zu wichtig
"Wo seid ihr?" Diese provozierende frage stellt uns heute Harald Staun in der FAZ am Sonntag. Nun blogge ich noch nicht lange und weiß wenig über die Szene und ihre Regeln. Aber in vielem, was Staun schreibt, habe ich mich wiedergefunden.



Wer sich ein wenig umhört, und das tue ich auch bei meinen Freunden, der "wird ein allgemeines Desinteresse an den Werken der Internetautoren nicht leugen können". Ja, das stelle ich auch fest. Und in nicht mal einem Monat Blogging merke ich auch: Am liebsten beschäftigt sich die Szene mit sich selbst. Dafür bin ich selbst das beste Beispiel: So stark wie mein "Wir Blogger..." vor einer Woche wurde noch kein Text von mir gelesen.

Was ich hier mache, kommt mir vor wie Stochern im Nebel. Pings, Trackbacks und all das Zeug sind immer noch Fremdworte und Dinge, mit denen ich nicht richtig umgehen kann. Neulich warnte mich ein Freund, ich sollte doch nicht einfach einen Link in einem Kommentarfeld hinterlassen. Manche Blogger sähen das als Spam an, also Internetmüll, und würden darauf mit Klagen reagieren. Das könnte mich eine schöne Stange Geld kosten. Klagen, Abmahnungen, Geld? Wo sind wir denn? Wie wichtig kommen "die" sich denn vor? Viel zu sehr, ist mein Gefühl. Ein wenig Demut würde uns allen gut tun.

Den Eindruck von FAS-Autor Staun kann ich übrigens auch mit ein paar Zitaten aus dem Buch von Scoble und Israel bestätigen: "Unsere Kommunikation der Zukunft": Sie stellen fest, dass insbesondere die Franzosen viel begeistertere Blogger sind. Warum? Weil die Franzosen ebenso wie die Amerikaner schnell bereit seien, ihre Gefühle und Sehnsüchte auszudrücken. Deutsche Unternehmen neigten dagegen eher zur Zurückhaltung. Ein Journalist meinte dazu: "Es ist nicht natürlich für Deutsche, ihre Ansichten mitzuteilen und über sich selber zu reden."

Interessant fand ich auch das Beispiel BMW. Das Unternehmen war noch nicht einmal bereit, mit den Buchautoren über Blogging-Pläne zu diskutieren. Ein Fehler? Scoble und Israel glauben das. "Wir haben nur selten mit einem BMW-Besitzer gesprochen, der uns nicht den Rat gegeben hat, ein Fahrzeug dieser Marke zu kaufen. Unserer Ansicht nach würde das Unternehmen viel von seinen Kunden darüber lernen, wie man Autos besser macht." Will BMW das nicht?

Aber staunen wir doch noch einmal über Staun: "Und dennoch macht sich eine gewisse Unzufriedenheit breit, auch bei den Lesern, die längst begriffen haben, dass Blogs nicht der neue Journalismus sind, sondern zum Glück sein Gegenteil." Für ihn ist es an der Zeit, dass sich ein paar Blogger finden, die sich nicht nur an Kochrezepten und Youtube abarbeiten, sondern an abseitigen Themen wie dem Klimawandel...

Das finde ich auch, aber am häufigsten gelesen werde ich wohl eher wieder mit diesem Text...

Permalink: Wir Blogger nehmen uns zu wichtig

Tags: Blog  Blogger  Kommunikation  Journalismus  BMW 

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