Wir Blogger machen uns Illusionen

April 30th, 2007

Wir Blogger machen uns Illusionen

Was für komische Worte: Blog, Blogger, bloggen. Woher kommen die eigentlich? Das ist die erste Frage, die sich eine Rechtsanwältin und ihr Mann, ein hoher Beamter, am Wochenende stellten, als ich von meinen neuen Aktivitäten erzählte. Zugegeben, ich wusste das auch nicht so genau.

Also suchte ich eine Antwort in dem angeblichen Bestseller unserer Szene, dem Buch von Robert Scoble und Shel Israel. "Unsere Kommunikation der Zukunft" ist gerade auf Deutsch erschienen. Doch ich fand die Antwort nicht. Weiß das schon jeder?

Dass Blog von Web und Logbuch stammt? Meine Freunde jedenfalls nicht, meine Mutter auch nicht.

Und ich? Ich denke immer an Block, Notizblock. Viel mehr ist es ja auch nicht, mich liest ja ohnehin kaum einer. Scoble und Israel verstehe ich nicht, wenn die von einer neuen Form des Journalismus reden. Die schweben offenbar in anderen Sphären, träumen gar von einer Revolution, die im Gange ist. Und zitieren den Philosophen Arthur Schopenhauer: "Alle Wahrheiten durchleben drei Stadien: Zuerst die Verhöhnung, zweitens wird heftig opponiert, drittens wird es als Selbstverständlichkeit akzeptiert."

Ich bin noch in Phase eins, und viele meiner Freunde haben dieses Stadium nicht mal erreicht. Sie wissen schlicht nicht, wovon die Rede ist. Und wenn doch, dann wollen sie unser Gequatsche gar nicht hören, weil sie es für Bla Bla halten. Fernab vom wirklichen Leben. Und seien wir mal ehrlich: Ist es das nicht oft?

Scoble und Israel meinen in "Unsere Kommunikation der Zukunft": "Die Chancen sind hoch, dass Leute, die heute in Blogs noch nicht über Ihre Firma reden, es bald tun werden." Ich bin da nicht so sicher, wenn ich von dem Abmahnunwesen hierzulande höre.

Den Firmen reden die Blogger-Gurus ins Gewissen: "Sie würden gut daran tun, sich an diesen Gesprächen zu beteiligen, und wenn sie nur denen danken, die ihr Loblied singen, oder um mögliche Fehlinformationen zu korrigieren." Für mich sind das fromme Wünsche, die Firmen ignorieren uns doch, und die Börse erst recht. Deshalb halte ich die Blogger-Debatte um Bestechlichkeit auch für aufgeblasen und unwesentlich. Über welche große Firmen reden wir denn, so dass es auffällt – außer über die Bild-Zeitung und Google?


Kategorien: Kontaktbörse

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RSS Kommentare1 Kommentar

  1. Wolfgang Müller

    Die spannende Frage ist, ob sich die Entwicklung in den USA auch bei uns (mit ein paar Jahren Verzögerung) so zeigen wird? Dort gibt es inzwischen Blogs, deren Zugriffszahlen mit traditionellen Medien mithalten können. Sie beeinflussen z.B. Wahlkämpfe oder Börsenkurse und verdienen mit Werbung gutes Geld. Nun ist allerdings die Rolle der Medien auf beiden Seiten des Atlantik sehr unterschiedlich – es kann also durchaus sein, dass Weblogs hier zu Lande nie diese Bedeutung haben werden. Doch auch das Internet als solches hat sich in Europa mit ziemlicher Verzögerung durchgesetzt. Warten wir es also ab.
    Aber auch hier beschäftigen sich schon einige Großunternehmen mit diesem neuen Kommunikationskanal. Ob in Form von Corporate Blogs (z.B. Siemens, BASF, SAP, T-Systems, DaimlerChrysler in Vorbereitung), Event-Blogs (02, Opel, Fujitsu-Siemens-Computers), Marketing-Werkzeug (VW, Calvin Klein)oder als Werbeträger (Cisco, SAP, Lufthansa u.a.) – so ganz ignoriert wird das Phänomen inzwischen auch bei uns nicht mehr. Forrester Research hat es kürzlich ganz gut auf den Punkt gebracht: http://tinyurl.com/363v7q

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