Windige Aussichten für RWE unter dem neuen Chef Jürgen Grossmann
Oktober 14th, 2007

Nur weil ein Versorger nun viel Wind machen will, ist er noch kein Kauf. Siehe RWE. Der neue Chef Jürgen Grossmann macht es nicht besser als der alte. Er hat nichts Neues zu berichten, sondern will erst mal bis Februar überlegen. Da verstehe ich gut, dass die Analysten der Unicredit die Aktie weiter zum Verkauf empfehlen. Kursziel: 77,50 Euro. Das liegt deutlich unter dem aktuellen Kurs und spiegelt auch keine Freude über mögliche Übernahmen wider. Warum?
"Jürgen Grossmann möchte Wachstumschancen in Europa wahrnehmen und stellt vor allem den Ausbau der erneuerbaren Energien (Fokus auf Wind) in den Vordergrund. Aufgrund der engen Verfügbarkeit von Übernahmezielen sind diese heiß umkämpft und meist zu teuer. Wir sehen deshalb eine teuere Akquisition als Risiko. Bei den erneuerbaren Energien dürfte der Fokus auf der Windenergie liegen. RWE hat mit ihrer englischen Tochter npower bereits Erfahrungen mit onshore Windenergie in UK gesammelt und will sich nun bei offshore Windanlagen in UK engagieren. Auch in Deutschland erwartet RWE eine Erhöhung der Förderungen für offshore Windanlagen und könnte bei einem positivem Votum der deutschen Regierung Investitionen in deutsche offshore Windanlagen vornehmen."
Negativ aufgefallen ist mir in dem Bericht auch folgender Hinweis:
"Für 2007 schlägt RWE eine Ausschüttungsquote von 70-80% vor, ab 2008 wird eine Ausschüttungsquote von 50-60% geplant. Details zu einem möglichen Aktienrückkauf will RWE erst nach erfolgreicher Abgabe von American Water (geplant bis Ende 2007) bekannt geben." Der Hintergrund: "Harry Roels hatte den Fokus bei RWE auf Schuldenabbau gelegt und den Verkauf des Wasserbereichs mit der Abgabe von Thames Water vollzogen und bei American Water eingeleitet. Aus den erzielten finanziellen Mitteln versprach RWE hohe Dividenden und einen Aktienrückkauf und hielt sich
im Übernahmekampf bei den europäischen Versorgern zurück."
Strategisch stellt sich heute natürlich die Frage, ob der Rückzug aus dem Wassergeschäft sinnvoll war, wenn nun wieder der Fokus auf Erneuerbare gelegt wird. RWE befindet sich offenbar in einer strategischen Falle. Ein Grund mehr, von der Aktie zunächst die Finger zu lassen. Ob es der große Star Grossmann richten kann, wird sich zeigen. Weitsicht allein reicht nicht, die Deals sollten sich auch rechnen, da liege ich mit den Unicredit-Analysten auf einer Wellenlänge.
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