Telekom vor Gericht
April 7th, 2008

Heute ist der Prozess der Deutschen Telekom gestartet. Rund 16.000 Anleger klagen gegen den Dax-Konzern, weil sie sich übervorteilt fühlten. Sie haben die Aktie 1996/97 als "Volksaktie" gekauft, mit der Hoffnung, an der Börse reich zu werden. Wer kurz vor dem März 2000 wieder ausgestiegen ist, konnte sich tatsächlich über einen satten Kursgewinn freuen. Wer der Aktie treu blieb, hatte das Nachsehen. Zu seinen Glanzzeiten kostete das Papier des rosa Riesen fast 105 Euro. Seit dem Absturz im Sommer 2001 dümpelt die Aktie rund um den Ausgabekurs, der umgerechnet bei 14,57 Euro lag. Große Chancen auf Erfolg dürften die Kläger nicht haben.
Schließlich sollte jeder Aktionär wissen, dass die Börse keine Einbahnstraße ist. Die Deutsche Telekom selbst argumentiert plötzlich, die eigene Aktie sei durch den New-Economy-Boom 2000 in unnatürliche Höhen getrieben worden. Ganz unrecht hat das Unternehmen nicht – auch wenn diese drastische Kehrtwende in der Eigenbeurteilung fast wie Hohn klingt.
Was bedeutet der Prozess nun für die Aktie? Nicht viel vermutlich. Mit einem Urteil rechnen Experten frühestens 2009, vielleicht sogar erst 2018, falls die Immobilien erneut bewertet werden müssen. Dabei geht es um einen Streitwert von rund 80 Millionen Euro. Das klingt auf den ersten Blick nach viel. Das ist es für den Dax-Konzern aber nicht wirklich. 120 Millionen Euro hat er bei einem Vergleich mit Anlegern in den USA schon bezahlt – und die hatten 400 Millionen gefordert. Auch dieser Prozess nahm seinen Lauf, ohne dass der Kurs Schaden genommen hätte. Bei einem aktuellen Wert von rund 11 Euro geht ja nach unten auch nicht mehr viel, oder?
Kategorien: Anlegersentiment



