Spannende Börsen-Situation
August 14th, 2006

Der Beginn dieses Blogs fällt zufälliger-, aber vielleicht glücklicherweise, mit einer sehr interessanten Börsenphase zusammen:
Nach einer bereits 3-jähriger Hausse-Phase haben sich die Kurse deutlich von dem großen Bear Market erholt, die Wirtschaft hat die damalige Rezession und die nachlaufenden rezessiven Tendenzen abgeschüttet und die Gewinne sowie die finanzielle Lage der Unternehmen haben sich stark verbessert. Mit einem Wort: die einmal so aussichtslose Wirtschafts- und Börsen-Situation hat sich ziemlich schnell in einem gesunden und breiten Aufschwung verwandelt.
Zusammen mit dem allgemeinen Aufschwung – getragen hauptsächlich von den Wirtschaften in Nordamerika, Asien und einer Reihe von Emerging Markets – kam aber seit 2004 die kontinuierliche Anhebung der kurzfristigen Zinsen durch die internationalen Notenbanken, allen voran durch die US Fed.
Dieser langer Zinserhöhungszyklus startete von einem sehr niedrigen (wie ich häufig sage: "anti-deflationären") Niveau aus und gefährdete zunächst keinesfalls die Konjunktur und die Börse. Man konnte vielmehr von einer willkommenen Normalisierung sprechen. Zudem blieben die langen Zinssätze erstaunlich niedrig, über längere Zeit sogar rückläufig, was eindeutig als positive Perspektive für den aktienmarkt zu deuten war.
In diesem Jahr schritt der Zinserhöhungszyklus aber soweit voran, dass sich im Markt die Sorge breit macht, die Fed könnte die amerikanische (und damit wohl die Weltwirtschaft) in die Rezession schicken.
Die Zinsentwicklung hat Auswirkung nicht nur auf die reale Wirtschaftsaktivität, sondern auch – und vielleicht schneller – auf die Börsen-Situation und die Kursentwicklung der notierten Aktien. Denn auf der einen Seite verändert sie die Bewertungsmassstäbe (ich komme in späteren Beiträgen darauf zurück), auf der anderen schöpft die Zentralbank primär über dieses Instrument Liquidität aus dem Markt ab. Die Konsequenz ist vereinfacht gesagt – kein Geld, Papiere zu kaufen (und auch weniger Lust, Papiere zu kaufen, da die sicheren Festverzinslichen eine immer attraktivere Rendite versprechen)…
Dazu kommt natürlich auch das Risiko und/oder die Perspektive für schwächere konjunkturelle Entwicklung, die auch in den Kursen auf die eine oder andere Weise eingepreist werden sollten.
Über die Hintergründe und die möglichen zukünftigen Auswirkungen der Zinspolitik werden wir aber noch häufig sprechen.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass es neben den negativen (oder belastenden) Aspekten auch eine Reihe positive und ermutigende Argumente für den Aktienmarkt gibt. Vor allem ist die nach den meisten klassischen Kriterien niedrige Bewertung der Aktien (hier sprechen wir von dem allgemeinen Aktienmarkt) anzuführen. Auch die konjunkturelle Dynamik (es wird einen Rückgang des Wachstums nach rekordverdächtigen Serien in BIP- und Gewinnergebnissen erwartet), die hohe Produktivität und die zumeist gelungenen Restrukturierungsmaßnahmen der Unternehmen (um nur einige zu nennen) können als unterstützend angesehen werden.
Also eine äußerst interessante Konstellation, die die Prognose und die Analyse der Aktienmärkte schwierig, aber sehr spannend macht.
Kategorien: Gesamtmarkt



