Siedend heiße Geschäfte mit Wärme aus der Erde

August 3rd, 2007

Siedend heiße Geschäfte mit Wärme aus der Erde

Solar, Wind oder Wasser – das läuft, und da bieten sich genügend Anlagemöglichkeiten. Schwieriger wird es schon bei allem, was mit Biomasse zu tun hat. Da trennt sich gerade die Spreu vom Weizen. Nicht mehr als ein Hoffnungswert für Anleger ist dagegen Geothermie – also die Wärme, die aus der Erde kommt. Viele Hausherren nutzen das Prinzip zwar bereits zusammen mit einer Wärmepumpe. Doch hier geht es höchstens 100 Meter weit in den Boden. Um Erdwärme auch in großem Maßstab als Energieträger auszubauen, müsste man 400 Meter tief bohren. Dafür gibt es nicht viele Plätze in Deutschland und noch weniger Erfahrung. Für Anleger gilt daher in den meisten Fällen: Finger weg.

Das gilt vor allem für geschlossene Fonds, wie sie gerade wieder von Green Energy auf den Markt gebracht werden. Schon der erste Fonds dieses Hauses war ein fragwürdiges Projekt: "Wer lesen und klar denken kann, der sollte sich auf dieses Angebot nicht einlassen", urteilte 2005 der Branchendienst "Fondstelegramm". Das aktuelle Angebot kommt nicht besser weg: "Green Energy versucht derzeit einen riesigen Luftballon aufzublasen. Über drei Wege soll ein dreistelliger Millionenbetrag bei Investoren eingesammelt werden. Dabei hat das auf Geothermie spezialisierte Emissionshaus noch nicht einmal ein eigenes Projekt komplett realisiert." Im Gegenteil bestehe sogar die Gefahr, dass die Bohrrechte für ein Projekt Anfang 2008 verloren sein könnten.

Theoretisch klingt es zwar schön, wenn Euro am Sonntag schreibt: "Erdwärme liefert auch noch Energie, wenn es draußen dunkel oder windstill ist." Praktisch dürfte es aber noch viele Jahre dauern, bis überhaupt von einer Alternative geredet werden kann. Denn die Technologie scheint noch lange nicht ausgereift zu sein – jedenfalls für deutsche Verhältnisse. Wo es einfacher ist, Erdwärme zu nutzen, passiert daher auch bereits: in Island, der Toskana, in Indonesien, den Philippinen, Neuseeland oder Tibet. Dennoch: Gerade einmal 0,06 Prozent des Primärenergieverbrauchs auf der Welt stammen aus der Geothermie, entnehme ich der Zeitung.

Was gibt es für Anleger? Da gab Euro am Sonntag zuletzt einen guten Überblick.

1.Der Fonds SAM Smart Energy Fund, der neue Energien im Visier hat
2.Der Fonds DWS Zukunftstechnologien, der auch in Geothermie investiert
3.Geschlossene Fonds von Green Energy, der SachsenLB oder König & Cie, die teilweise noch geplant werden, aber derzeit wohl alle nicht zu empfehlen sind
4.Aktien, die sehr riskant sind, weil sie mehr Hoffnung als Umsatz und Gewinn bieten. Im einzelnen sind das:

Ormat Technologies: Chart und Nachrichten und News
Enro: Chart und Nachrichten
Western Geopower: Chart und Nachrichten
Geodynamics: Chart und Nachrichten
Essential Innovation: Chart und Nachrichten

Ob es da hilft, dass der Versicherungsspezialist Marsh nun die "erste ganzheitliche Versicherung für Geothermieprojekte" anbietet? Ich bin da skeptisch, Matthias Kliesch von Marsh in Düsseldorf meint dagegen: "Mit unserer Allgefahrenlösung besteht für Investoren und andere Beteiligte jetzt ein Maß an Sicherheit, das mit anderen alternativen Energieanlagen vergleichbar ist. Wir sind zuversichtlich, dass die "Tiefe Geothermie dadurch Fahrt aufnimmt." Das muss er ja auch, schließlich will er seine Innovation verkaufen.


Kategorien: Klima

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