Schlußverkauf: Steigende Renditen lähmen die Aktienmärkte
Juni 14th, 2007

Endlich steigen die Zinsen an den Anleihemärkten. Es war längst überfällig, dass der Abstand zwischen kurz- und langfristigen Zinsen wieder mehr als einen halben Prozentpunkt beträgt. Es ist auch längst überfällig, dass die Risikoprämien an den Märkten für Unternehmensanleihen in die Höhe gehen. Darauf zu wetten, dass die Renditen sowohl in Amerika als auch in Europa weiter anziehen, die Kurse mithin fallen, liegt nahe. Ein Grund für den Dammbruch dürfte der Sinneswandel in Amerika sein. Dort gehen die Märkte nun offenbar nicht mehr von einer Zinssenkung durch die Notenbank aus, sondern glauben wieder an Wachstum und folglich auch ein wenig mehr Inflation. Zwar gibt es noch ein paar Zweifler, die vor den Risiken am Immobilienmarkt warnen, doch die sind momentan in der Minderheit. Steigende Renditen in Übersee sollten auf Sicht auch gut für den Dollar sein.
Für die Aktienmärkte steigt mit dem Zinsanstieg das Risiko von Rückschlägen.
Doch noch immer ist die Gewinnrendite wesentlich höher als die Anleihenrendite. Solange dies so bleibt, werden Fusionen und Übernahmen die Börsen weiter treiben. Doch klar ist: Die Luft wird dünner, weil die Firmen-Aufkäufer ein größeres Schuldenrad drehen müssen, damit sie ihre zweistelligen Renditen einfahren können. Der eine oder andere Deal wird da sicher schief gehen. Gefährlichere Zeiten brechen an.
Einen guten Überblick über die Zins-Lage bietet die FAZ im Netz. Darauf verweist das Börsennotizbuch.
Für alle, die ihr Geld in Euro halten wollen, sind bis auf weiteres Geldmarktanlagen (oder Termingelder) vermutlich am sinnvollsten, schreibt Dieter Wermuth im Herdentrieb. So lange die EZB nicht ein Ende des Zinserhöhungszyklus signalisiert, oder so lange die Arbeitslosigkeit weiter sinkt, sind Bonds die schlechtere Alternative.
Nur anschließen kann ich mich dieser Wermuth-Einschätzung: "Die Risikoprämie auf Aktien im DJ Euro Stoxx 50 ist dagegen um einiges höher: Dem KGV von 13,6 entspricht eine Aktienrendite von 7,4 Prozent, die reale Rendite der Bundesanleihen beträgt nur 2,7 Prozent, und die Gewinnaussichten sind nach wie vor erfreulich. Europäische Aktien sind für mich ein Kauf, vor allem die von Versorgern, Bauunternehmen (nicht die spanischen! sondern solche, die von Infrastrukturprojekten profitieren – der Staat hat wieder Geld) oder Exporteuren (immer noch!)."
Kategorien: Gesamtmarkt




“Es ist auch längst überfällig, dass die Risikoprämien an den Märkten für Unternehmensanleihen in die Höhe gehen” — es mag überfällig sein, passiert aber noch nicht: die Zinsspreads weiten sich kaum aus, soweit ich sehen kann (vgl. mein Blog-Beitrag). Es kann sein, dass wir bald auch hier Bewegung sehen. Dann wird es meiner Meinung nach gefährlich.