Party-Stimmung an den Börsen?
Februar 10th, 2007

Die aktuelle Investor-Confidence-Studie von JP Morgan asset management will uns von einer wahrhafte Party-Stimmung an den deutschen Börsen überzeugen:
Partystimmung unter den deutschen Privatanlegern: Im Januar rechneten 70,7 Prozent mit einem Aufwärtstrend beim deutschen Aktienindex Dax im nächsten halben Jahr – so viel wie seit März 2002 nicht. Das zeigt die aktuelle Investor-Confidence-Studie von JP Morgan Asset Management.
Gegenüber Dezember ist die Zahl der Börsenoptimisten um 4,9 Prozentpunkte gestiegen. Gleichzeitig hat der Anteil der Skeptiker leicht auf 8,7 Prozent zugelegt – ein Plus von 0,7 Prozentpunkten im Vergleich zum Vormonat.
"Nachdem es viele Anstöße gebraucht hat, das Vertrauen der Privatanleger in die Aktienmärkte wiederzugewinnen, scheint nun fast eine Börseneuphorie ausgebrochen zu sein", kommentiert Jean Guido Servais das Ergebnis der Umfrage. Er ist bei JP Morgan für das Marketing in Deutschland verantwortlich. Gleichzeitig zeige die Studie, dass die Deutschen bei ihren Anlageentscheidungen zunehmend risikobereiter würden.
Auch wenn die Bereitschaft da ist – bislang haben die wenigsten Anleger ihrem Optimismus Taten folgen lassen: Nur 21,8 Prozent der Befragten waren im Januar in Fonds, Aktien, Optionsscheine oder Rentenpapiere investiert. Das waren genau so viele wie im November. Allerdings plante jeder Zweite (50,1 Prozent), Geld in diese Anlageklassen zu investieren – 3,6 Prozentpunkte mehr als einen Monat zuvor. Dabei stehen Fonds in der Gunst der Anleger nach wie vor ganz oben: Im Januar wollten 32,8 Prozent der Befragten in diese Produkte investieren (November: 29,0 Prozent).
Aus der Meldung von FundResearch.de: Börseneuphorie packt deutsche Anleger
Zwei sind die meiner Meinung nach wesentlichen Punkte bei dieser Umfrage:
Erstens, das Vergleichsjahr ("so viel wie seit März 2002) ist alles andere als hoch euphorischer Zeitpunkt gewesen. Zwar war zu dieser Zeit auf jeden Fall eine gewisse Gegenreaktion zu der großen Angst nach den Attentaten vom 11. September zu spüren, sogar eine recht optimistische Welle, die nach der angeblichen Bereinigung des Marktes (die Kurse kollabierten ja regelrecht im September 2001) nun von steigenden Märkten ausging. Aber längst waren wir in den bitteren Bear-Market hineingeraten, und die Wirtschafts- und Börsenlage wurden keinesfalls als so risikolos und prosperierend wahrgenommen (soweit ich mich recht erinnern kann). Mit einem Wort "so viel wie seit März 2002" ist nicht unbedingt ein Schrecken.
Das zweite steht ja im oberen Zitat – trotz guter Stimmung und einen positiven persönlichen Ausblick für die Märkte haben recht wenige bereits investiert. Somit scheint sich meine "andauernde" Annahme zu bestätigen, dass eine Großzahl der Anleger (aktive wie potenzielle) einfach die große Rally und mittlerweile regelrechte Hausse verpasst haben. Sie sind die ganze Zeit mehr oder weniger an der Seitenlinie geblieben, und – hier besonders die aktiveren – haben höchstens kleinere Summen vorsichtig in den steigenden Markt neu investiert.
Diese Entwicklung ist sogar – angesichts 4-jährigen Anstiegs – bereits eher untypisch. Die steigenden Kurse pflegen im Prinzip doch etwas schneller das Publikum wieder zu packen und zur Spekulation/Investition zu animieren. Die Angst und die Verunsicherung sind offensichtlich massiv gewesen.
Bestimmt hat hierzu einerseits die delikate Situation in Deutschland etwas zu tun – bis vor einem Jahr sprach jeder von Stagnation, Verlusten, Arbeitslosigkeit, schmerzhaften Reformen etc. Wir kennen das Lied. Dies ist sicherlich kein Umfeld, in welchem die Menschen im allgemeinen die Aussichten (persönlichen wie nationalen) als positiv beurteilen werden und noch weniger sich an die riskanten Finanzmärkte wagen.
Zusätzlich sorgten tagtäglich geopolitische Risiken, energie-wirtschaftliche Schwierigkeiten, Terror und der "böse" Mr. Bush nicht gerade für eine optimistische Einschätzung der Lage. Ich habe bereits frühzeitig geschrieben, dass diese sind allesamt übertrieben wahrgenommen und – meiner Meinung nach – schlicht überschätzt.
Nun aber, lichten sich paar schwarze Wolken, und das Publikum schöpft wieder Zuversicht. Auf psychologische Stimmungslage zu "spielen" ist immer ein unsicheres Unterfangen. Bereits morgen können sich die Zeichen ändern, und die heutigen Optimisten wieder Angst kriegen. Viel wichtiger ist – haben die Kurse von heute eine solide Basis, die einigermaßen aus einem objektiven Standpunkt heraus Bestand haben wird/kann.
Meine persönliche Meinung ist – ja, heute kauft man noch keine überteuerten Aktien, heute kauft man noch nicht viel (wenn überhaupt) heiße Luft und Erwartungen. Und mal ehrlich – von einer Party-Stimmung kann ich noch nichts spüren – Statistiken hin oder her. Und meinem Gefühl vertraue ich im Zweifel eher…
Kategorien: Anlegersentiment



