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von Heidi P. Trabert am 25.04.07

Der Chef der Deutsche Bank, Josef Ackermann, ist ja auch ein gebranntes Kind. Als Aufsichtsrat von Siemens will er sich offenbar nicht nachsagen lassen, er sei mit seinen Kollegen etwas zu lässig und großzügig umgegangen. Der Vorwurf wurde ihm ja häufig bei Mannesmann gemacht, wo er eine großzügige Abfindung für den damaligen Chef Klaus Esser schnell absegnete. Und dann lange deswegen im Gerichtssaal sitzen musste. Aber das Thema ist ja mit großzügigen Millionenspenden erledigt worden.
Neues Spiel, neues Glück, heißt es dagegen nun bei Siemens. Auch der künftige Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ist dafür bekannt, dass er Fünfe gerne gerade sein lässt. Normalerweise sollten Top-Manager nicht ihre Nachfolger kontrollieren. Das hat er selbst an vorderster Front in den deutschen Grundsätzen für gute Unternehmensführung formuliert. Corporate Governance Kodex wird das gute Stück Papier genannt. Doch für sich selbst nahm Cromme bei Thyssen-Krupp die Ausnahme im Kodex in Anspruch. Ich verstehe dieses Verhalten nicht. Doch dass er nun als Oberkontrolleur bei Siemens auch den amtierenden Chef Klaus Kleinfeld im Regen stehen lässt, gefällt mir gut.
Für mich ist das kein Chaos. Die Aufsichtsräte tun ihren Job. Das ist vollkommen richtig. Wer weiß denn, ob Kleinfeld nicht doch in irgendeiner Form von der Korruptionsaffäre betroffen ist? Oder ob er am Ende wie sein Vorgänger Heinrich von Pierer einen Teil der Verantwortung dafür auch persönlich übernehmen muss? Solche Fragen schnell unter den Teppich zu kehren, wäre fahrlässig von den Aufsichtsräten Ackermann und Co. Das schadete Siemens nur noch mehr. Gleichzeitig nach einem Nachfolger Ausschau zu halten, ist zudem ihre Aufgabe.
Für die Aktie von Siemens kann dies alles am Ende nur gut sein. Das sieht im Moment auch die Börse so. Ist Kleinfeld sauber, darf er weiter machen. Wenn nicht, sollte er schnell gehen. Operativ ist ihm offenbar viel gelungen. Bravo! Doch das ist kein Freibrief und erst recht kein Grund, auch noch mit Rücktritt zu drohen. Solche Aktionen zeigen eher, dass er mit seinem schwierigen Job vielleicht doch überfordert ist. Aber das kann Josef Ackermann sicher besser beurteilen.
Manche beschreiben die Debatte um Siemens nun sogar als "Führungschaos". Kann man so sehen. Ich würde mir mehr Durcheinander dieser Art in deutschen Aufsichtsräten wünschen. Das kann nur dazu führen, dass die Unternehmen am Ende gut geführt werden - im Sinne des Aktionärs, der Gewinnsteigerungen und eine ordentliche Dividende sehen möchte.
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