Mit Indexfonds dem Fiskus und den Banken ein Schnippchen schlagen
Juli 28th, 2007

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat meine Perspektive auf Fonds erweitert. Neulich wies ich darauf hin, wie attraktiv Dachfonds nun werden, weil es ab 2009 die Abgeltungsteuer gibt. Das stimmt zwar, doch die Überlegungen zur abgeltungsteuer sind ein wenig komplexer, als ich zunächst dachte. Wenn man davon ausgeht, dass die meisten Fondsmanager ohnehin nicht besser als der Markt sind, kann man auch sofort einen Indexfonds kaufen. Denn der verursacht viel weniger Kosten als ein Dachfonds, bei dem Anleger gleich mehrfach abkassiert werden. Was also tut der weitblickende Anleger und warum ist er besser als einer, dem alles egal ist?
"Anleger Schlau legt 10.000 Euro Ende 2008 in einen Aktienfonds an. Er muss alle Dividendenerträge versteuern, pauschal mit 25 Prozent (Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer außen vor). Anleger Träge legt denselben Betrag Anfang 2009 zum selben Kurs an und muss daher nicht nur die Dividenden, sondern auch den Gewinn bei Verkauf der Fonds in Höhe der Abgeltungssteuer versteuern. Angenommen, der Fonds erwirtschaftet pro Jahr acht Prozent nach Abzug laufender Kosten, 2,5 Prozent davon sind Dividendenerträge, der Rest Kursgewinn.
Beide entscheiden sich für die günstigen sogenannten börsengehandelten Indexfonds, die Spesen für den Kauf betragen daher nur ein Prozent. Da Anleger Schlau nur die Dividendenerträge versteuern muss, erzielt er durch den Verkauf in 20 Jahren nach Abzug von weiteren ein Prozent Spesen 40.676 Euro. Träge hingegen muss 25 Prozent seines Gewinnes ans Finanzamt überweisen, ihm bleiben aber immerhin noch 34.919 Euro. Der Unterschied beträgt 5.756 Euro. Schlau erzielt eine Nettorendite in Höhe von 7,27 Prozent, Träge verbleiben hingegen nur 6,45 Prozent pro Jahr. Nach 30 Jahren beträgt der Unterschied übrigens 13.622 Euro.
Verständlich, dass die Finanzvertriebe dieses Argument für ihre Zwecke nutzen wollen. Auf diese Weise werden Heerscharen von Anlegern in Fonds gelockt. Jedoch nicht in die günstigen Indexfonds unseres Beispiels, sondern in überteuerte Dachfondskonzepte, bei denen gleich auf bis zu drei Ebenen abkassiert wird."
Die Verbrauchzentrale rät daher: "Finger weg von Dachfonds und Zertifikatefonds! Und lassen Sie sich nicht zu Risiken verleiten, die Sie nicht bereit zu tragen sind!"
Eine vernünftige Haltung. Wer also Ruhe haben will, kauft einen Indexfonds. Wer einen Fondsmanager schätzt und an dessen langfristige Perspektive glaubt, nimmt diesen. Und wer flexibel bleiben will, sucht den besten Dachfonds, obwohl dieses Konzept am Ende das Teuerste ist.
Kategorien: Fonds



