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Mehr Aktionäre oder warum das nichts über die Hausse am Aktienmarkt aussagt

abgelegt im Archiv Gesamtmarkt am 08.08.07

Mehr Aktionäre oder warum das nichts über die Hausse am Aktienmarkt aussagt
"Die Zahl der Aktionäre steigt wieder." Damit macht die FAZ heute ihren Finanzteil auf. 4,34 Millionen Deutsche halten Aktien in ihren Depots - angeblich. Das waren gut 200.000 mehr als Ende 2006. So exakt wie die Zahl scheint, ist sie leider nicht. Das ist nur eine Hochrechnung des Meinungsforschungsinstitut Infratest, das im Laufe von zwölf Monaten 30.000 Leute befragt hat. Natürlich sieht der Auftragsgeber, das Deutsche Aktieninstitut DAI, nun einen Negativtrend gebrochen, doch das kann man aus diesen Zahlen wirklich nicht herleiten. Genauso wenig wie die Vermutung, dass nun mehr Anleger an den Aktienmarkt drängen und damit die letzte Phase der Hausse eingeläutet wird. Warum nicht?

1.Die Zahlen beleuchten nur ein Teilsegment. Die Deutschen verkaufen einerseits Aktienfonds, wie die jüngste Fonds-Statistik ausweist. Gleichzeitig kaufen sie indirekt mehr Aktien als man glaubt. Das zeigt eine kleine Meldung auf der gleichen Seite der FAZ: "Markt für Zertifikate wird größer." 85 Prozent der Zertifikate basieren bekanntlich auf Aktien. Das Anlagevolumen dieses Marktes wird inzwischen auf 136 Milliarden Euro geschätzt.

Verkauft werden alle diese Scheinchen von Banken, gekauft in erster Linie von privaten Anlegern. Das legt den Schluß nahe: Es gibt viel mehr Aktionäre als man denkt, nur tauchen sie in der obigen Statistik wahrscheinlich nicht auf. Außerdem sind diese Aktionäre vermutlich unsicher und vorsichtig zugleich. Deshalb kaufen sie Zertifikate, die ihnen eine gewisse Sicherheit vorgaukeln und vernachlässigen die Direktanlage. Das ist natürlich ein gutes Geschäft für die Banken. Ob es auch eines für die Anleger ist, sei dahin gestellt. Ich bin skeptisch.

2.Die deutschen privaten Anleger haben in ihrer Masse nach wie vor kein Interesse, direkt Aktien zu kaufen. In den USA, Schweden, Großbritannien oder den Niederlanden ist das bekanntlich ganz anders. Deshalb wird der Markt hierzulande nahezu ausschließlich von Großanlegern getrieben - ob aus dem Ausland oder dem Inland. Das bedeutet: Immer wenn eine Krise kommt, werden die Großen besonders schnell nervös. Das klingt ein wenig paradox, weil ein Großanleger doch besonders viel wissen sollte. Glaubt man. Das Gegenteil ist der Fall. Es sind am Ende auch nur Menschen, die das Jahr 2000 nicht vergessen können und der Börse nicht über den Weg trauen. Gerade in großen Organisationen ist offenbar diese Denke stark verhaftet: Die Kurse sind auf Rekordniveau, seien wir lieber vorsichtig.

Wer nicht glaubt, wie zittrig Großanleger gerade sind, schaue nur auf die Zuflüsse von Geldmarktfonds im ersten Halbjahr: 27 Milliarden Euro. Das Geld kommt fast nur von Leuten mit viel Geld. Oder was ist denn im Segment der geldmarktnahen Asset Backed Securities-Fonds los, die derzeit wahllos verkauft werden? Da wussten offenbar viele Profis nicht, was sie vor einer Weile gekauft hatten. Und nun regiert die Panik vor einer Ausweitung der Immobilienkrise in Amerika, was die Verluste für alle Mitspieler nur vergrößert. Kein Wunder also, dass am Dienstag auch die WestLB ihre ABS-Fonds geschlossen hat. Das war bereits der fünfte deutsche ABS-Fonds, der nun vorübergehend keine Anteile mehr zurücknimmt.

3.Genauso zittrig wie bei ihren ABS-Engagements verhalten sich Großinvestoren am deutschen Aktienmarkt. Private Anleger sollten sich davon jedoch nicht irritieren lassen. Sie haben die Chance, im Fahrwasser der Großen mitzuschwimmen. Aber sie müssen deren Zuckungen nicht mitmachen. Solange die Gewinne noch laufen, ist jeder Rückschlag auch eine Chance zuzukaufen. Und es ist allemal besser, wenn die Kurse langsam hochgehen als sehr schnell. Ich habe daher auch nicht die Befürchtung, dass in Kürze die Bild-Zeitung wieder für Aktien trommelt und dass man dies wieder als Ausstiegssignal für den Aktienmarkt deuten kann. Die Bild-Zeitung hat sich im März 2000 so die Finger verbrannt mit ihrem legendären Aufmacher zum Neuen Markt, dass sie sicher nicht wieder das Risiko eingehen will, ihre kleinen Leser auf Rekordniveau in Aktien zu jagen. Zumindest in Deutschland müssen wir uns daher andere Indikatoren suchen, um herauszufinden, wann es überschäumt an der Börse.

Im Moment ist das sicher noch nicht der Fall. Insbesondere der Dax ist nach wie vor günstig bewertet, was die Kurse nach unten absichert. Die Gewinne der Unternehmen sprudeln weiter. Auch wenn die Ergebnisdynamik abnimmt - die 10.000 Punkte im Dax werden wir im Rahmen dieser Hausse sicher noch sehen. Dabei bleibe ich. Und 30 Prozent mit einer reinen Indexwette in zwei Jahren? Das wäre doch super!

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Tags: Börse  Aktionäre  Fonds  Zertifikate  Aktien 

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