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Hypotheken-Krimi in den USA

abgelegt im Archiv Immobilien am 11.03.07

Hypotheken-Krimi in den USA
In der letzten Woche konzentrierten sich die Sorgen an den Aktienmärkten erneut und nachhaltig auf den Immobilienmarkt in den USA. Man gewinnt bereits immer mehr den Eindruck, dass die Finanzakteure die Lage bei den US-Hypothekenanbietern für den Schlüsselfaktor für die weitere Entwicklung der Börsen ernennen. Und - leider Gottes - mangelt es irgendwie nicht an negativen Meldungen.

Die Boom-Jahre des Immobilienmarktes sind nicht nur vorbei, die Abschwächung, die in etwa seit dem Sommer dieses Jahres konstatiert werden konnte, droht, sich in eine Pleite-Welle zu entladen. So gerät einer der größten Hypothekenanbieter (im Bereich Sub-Prime-Hypotheken oder zweitklassige Hypothekendarlehen), New Century, in großen Schwierigkeiten. Der Aktienkurs ist bereits um ca. 80 Prozent abgestürzt. Zuvor haben über 30 Hypothekenanbieter ähnliche Schwierigkeiten bzw. gleich Konkurs gemeldet.

In einem solchen Umfeld fragen sich de Analysten zurecht, wie sich das Verbrauchersentiment entwickeln wird:

An der Börse wird die Entwicklung des Verbrauchervertrauens besonders aufmerksam verfolgt, da dieses als Schlüsselindikator für das Wirtschaftswachstum in den USA und die Rentabilität der Unternehmen angesehen wird. "Das Schlimmste, das jeder Wirtschaft passieren kann, ist der Verlust von Vertrauen", sagt Med Yones, Präsident der Wirtschaftsforscher vom Institute of Management in Las Vegas. Am Freitag veröffentlicht die Universität Michigan die vorläufigen Zahlen zum Verbrauchervertrauen für den Monat März. Experten rechnen mit einem Rückgang des Indikators von 91,3 auf 90,0 Zähler.

Handelsblatt.com, Alle Augen auf den Hypothekenmarkt



Im Gegensatz zu den meisten Kommentatoren würde ich die (sich offensichtlich vertiefende) Krise im Immobiliensektor nicht direkt mit dem Konsum und daraus mit einer weiteren Abschwächung der Konjunktur in Verbindung bringen. Um Missverständnisse zu vermeiden - ja, Pleiten von Hypothekenanbietern und gar stärker fallende Immobilienpreise werden über die bekannten Marktmechanismen auch das Vertrauen und den Konsum beeinträchtigen und letztendlich die Wirtschaft in einen konjunkturellen Abschwung schicken. Aber, wenn man sich auf die Aktienmärkte bezieht, heißt eine schwächere Konjunktur (und schwächere Gewinne) nicht sofort und nicht unbedingt stark fallende Kurse.

Die Leser werden sich erinnern können, dass ich bereits früher von diesem wohl zu erwarteten Paradoxon gesprochen habe. Zum Teil haben wir es in den letzten Monaten des vergangenen Jahres gesehen (die US-Wirtschaft zeigte gerade deutlichere Zeichen von Abkühlung als die Aktien zu einer massiven Rally ansetzten). Dass Konjunkturabschwung und Rezession generell nicht gut für die Börsen sind, brauche ich nicht zu erklären. Die Frage ist trotzdem darin, an welcher Schwelle wir uns hinsichtlich der Bewertungen, Sentiment, Liquidität etc. befinden.

Ich denke die Bewertungen der Aktien im allgemeinen (insbesondere an den etablierten Börsen) eine Abschwächung der Konjunktur gut verkraften können. Natürlich ist mit einer Reduktion des durchschnittlichen Aktien-Preisniveaus zu rechnen, jedoch nicht mit einem Absturz.

Für einen regelrechten Absturz bedarf es mehr als Schwäche im Wachstumstempo und weniger Konsum (in Amerika). Es bedarf einer Liquiditätskrise bzw. viel höhere Zinsen. Dass die wackelige Lage am Immobilienmarkt Gefahren bereit hält, ist offensichtlich. Nur glaube ich, dass diese durch ein massives Ansteigen der Zinsen drohen, und nicht primär durch "Zweitrunden-Effekte" auf den Konsum.

Permalink: Hypotheken-Krimi in den USA

Tags: Immobilien  USA  Hypotheken  Kredite  Krise  Aktien  Zinsen  Konjunktur  Abschwaechung  Kommentare  Faktoren  B 

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