Herdentrieb macht sich paar (gute) Gedanken zur deutschen Wirtschaftssituation
abgelegt im Archiv Analysen am 31.08.06
Im Blog Herdentrieb ist wie gewohnt ein guter Artikel zu den Problemen (und den vermeintlichen Problemen) der deutschen Wirtschaft zu finden.
Ich habe immer mit Interesse die Beiträge dort verfolgt und bin nun gespannt, wie der neue angekündigte Autor Dieter Wermuth seine Arbeit da aufnehmen wird.
Nun zum Artikel Raus aus der Ideologie. Schon der Anfang verschafft es, mit so wenigen Worten eine genaue Darstellung der "ökonomischen Denke" vieler (auch vieler für Entscheidungen Verantwortlichen) zu geben:
"Arbeit ist in Deutschland zu teuer. Die Unternehmen müssen entlastet werden. Gegen Konjunkturschwankungen ist die Wirtschaftspolitik machtlos. Deshalb muss sie sich auf die Verringerung der Schulden konzentrieren. So lautet etwas verkürzt das Credo der tonangebenden deutschen Ökonomen. Und so sieht leider auch die Wirtschaftspolitik jeder Regierung seit 1982 aus. Die Folge: Das Wachstum fällt seit Jahrzehnten geringer aus als nötig."
Die Kritik im Artikel fällt deutlich auf die Vernachlässigung (oder gar absichtliche Belastung) der Nachfrageseite in der Volkswirtschaft. Ich empfehle gern, sich die unterschiedlichen Aspekte dieser Überlegungen anzusehen.
Aber... wenn wir schon die Politik nicht ändern können, gibt es einige Gedankenanstöße, die für die Betrachtung der Aktienmärkte von Bedeutung sein könnten?
Ich möchte einige anreißen:
Die Regierung will die Schulden reduzieren, also weniger Neuverschuldung, gesündere Staatseinnahmen und Konsolidierung der Ausgaben - dies klingt für mich ziemlich nach "Druck auf die Zinsen nach unten". Und dies zusätzlich zu der sich ohnehin abzeichnenden globalen wirtschaftlichen abkühlung. Für die Aktien tendenziell gut.
Die Unternehmen sind in einer "Rekord-Verfassung": Gewinne, Gewinnquoten, Produktivität und, speziell auf die deutschen Firmen bezogen, internationale Wettbewerbsfähigkeit auf einem historisch sehr hohen Niveau. Aus diesem Zustand heraus lassen sich leichter Eventualitäten meistern. Für die Aktien als Fakten - gut, für ihre weitere Entwicklung muss man auber auf die Preise schauen: Dass es unter diesen Umständen noch Werte mit KGVs von um die 12 (im Durchschnitt des DAX zum Beispiel), erstaunt hier positiv.
Ob Europa gewissermaßen die Weltkonjunktur anstelle von den USA stützen kann, wage ich hingegen zu bezweifeln. Diese Hoffnung kommt immer wieder mit den Anzeichen der Abkühlung in Amerika, und ist immer wieder eine vergebliche. Mithelfen - ja, als Motor avancieren kann Europa lange noch nicht.

Tags: Herdentrieb Kolumne Wirtschaft Deutschland deutschen herdentrieb+macht deutschen+wirtschaftssituatio
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