Einen Toyota fahren und auf Daimler wetten
abgelegt im Archiv Börsentipp am 18.05.07
Einen dicken Mercedes würde ich ja auch gerne mal vor meinem Kindergarten vorführen. Doch ich bleibe vernünftig. Erstens würde meine Brut das schöne Stück nur ständig vollkrümeln. Zweitens sind die Fahrer von solchen Autos ja sowieso immer die Bösen, das kennen wir doch aus Hollywood-Filmen. Drittens verbrauchen die Gefährte aus Stuttgart zu viel Benzin. Und viertens schielt mir das neue Management zu sehr aufs Geld. Visionen und verantwortliches Handeln für meine Enkel fallen da wieder unter den Tisch, fürchte ich. Ja, und das sage ich, obwohl Daimler sich gerade von chrysler getrennt hat. Das gefällt mir, doch sonst?
Die Stuttgarter geben sich neuerdings zwar sogar umweltfreundlich. Doch im Zweifel würden sie doch auch wieder so reden: Ein Auto, das drei Liter auf 100 Kilometer verbraucht, will keiner. So ein Quatsch! Natürlich wollen das die Leute. Sie möchten es aber auch bezahlen können. Das Argument "Nicht zu verkaufen" finde ich vorgeschoben. Für mich hat die Autoindustrie wenig Interesse, Autos mit verbrauchsarmen Motoren zu entwickeln, weil sie mit den Benzinfressern noch so schön Geld verdient. Ich sehe das ganz global: Sie müssen es wie die Japaner machen. Einen umweltfreundlichen Motor einbauen und im Zweifel auf Schnickschnack verzichten. Ich brauche keinen Bordcomputer, der ständig ausfällt. Ich möchte nur meine Kinder von A nach B bewegen - und das möglichst günstig.
Warum gibt es von Mercedes noch kein Auto für 5000 Euro, das nur drei Liter auf 100 Kilometer verbraucht? Weil deren Manager lieber Milliarden mit amerikanischen Karossen versenkt haben. Wo ist der deutsche Erfindergeist geblieben, aus dem Daimler heraus mal entstanden ist? Den haben heute die Japaner. Wer ist denn Vorreiter beim Hybridauto? Toyota. Wer ist der profitabelste Autohersteller der Welt? Toyota. Wer verkauft die meisten Autos? Toyota.
Wenn schon eine Auto-Aktie, dann doch lieber eine mit Zukunft. Und nicht eine aus dem vergangenen Jahrhundert. Obwohl ich dies nicht verschweigen will: Es gibt ein Argument, das zumindest auf kurze Sicht für Daimler spricht: die Übernahmephantasie. Wenn nun Hedge-Fonds in Stuttgart einsteigen, ist vielleicht sogar mehr drin als 70 Euro. Darauf tippen viele Investmenthäuser offenbar neuerdings. Denn die meisten Kursziele wurden gerade kräftig erhöht. 79 Euro sagt zum Beispiel die Hypovereinsbank, 75 Euro meint JP Morgan. Daimler wird dank Mercedes an der Börse von einer positiven Stimmung in das nächste Jahr getragen. Darauf kann man setzen, aber nicht allzu lange fahren!
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Tags: Aktie Börse Daimer Chrysler Toyota Autohersteller Autos
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