Eine Zauberformel, um den Aktienmarkt zu schlagen

Mai 30th, 2007

Eine Zauberformel, um den Aktienmarkt zu schlagen

Ziemlich großspurig! Das war mein erster Eindruck von Joel Greenblatt. Der Fondsmanager und Professor hat ein kleines Buch geschrieben mit einem großen Versprechen: "Die Börsen-Zauberformel – Wie Sie den Markt mit Leichtigkeit schlagen." Das geht doch gar nicht – jedenfalls nicht auf Dauer, war mein erster Impuls. Das haben wir doch bei genial einfach investierenden Professor Weber aus Mannheim gelernt. Greenblatt behauptet das Gegenteil und bekommt dafür von der financial times das Lob: "Buch des Jahres". Auch ich bin nach der Lektüre geläutert: So absurd, wie ich anfangs dachte, ist
sein System nicht.

Der Amerikaner glaubt, dass letztlich eine Kombination aus Gewinnrendite und Kapitalrendite zum Erfolg an der Börse führt. Die Gewinnrendite (Kehrwert des KGV) sagt, welche Aktien günstig sind. Die Kapitalrendite drückt aus, wer am effizientesten mit dem Geld der Investoren wirtschaftet. Durch eine Kombination beider Kennzahlen wählten Investoren automatisch die "besten" Aktien aus, sagt Greenblatt. Wer sich die entsprechenden Zahlen nicht selbst zusammenstellen möchte, dem bietet Greenblatt für Amerika sogar über eine Internetseite einen systematischen Zugang an. Er rät, nach und nach 30 Aktien zu kaufen und dieses Depot im Laufe eines Jahres einmal komplett umzuschichten – immer orientiert an der Besten-Liste seiner Internetseite.

Wer dieses System viele Jahre verfolge, werde relativ sicher den Markt schlagen. Das kann man glauben oder nicht, am Ende muss man es ausprobieren. Selbst wer am Ende doch wieder Fonds kauft, der darf sich wenigstens auf eine unterhaltsame und kurzweilige Lektüre freuen. Warum die Zauberformel nicht jeder anwendet, um reich zu werden, ist aus Autorensicht übrigens ganz einfach: Manchmal funktioniert Greenblatts System einige Jahre einfach nicht.

Der Autor ist ein Investor vom Schlage eines Warren Buffett. Er sucht als Value-Investor starke, aber gleichzeitig günstige Aktien, die womöglich an der Börse aus der Mode gekommen sind. Im Gegensatz zu Buffett hat er dafür aber ein System entwickelt, das mit relativ wenig Aufwand jeder kopieren kann. Wie bei allen Systemen dieser Art haben sie in der Vergangenheit gut funktioniert. Das ist keine Garantie auf künftige Gewinne.

Neben seiner eigenen Internetseite empfiehlt Greenblatt noch folgende zur Datensammlung:
businessweek.com
aaii.com
moneycentral.msn.com
powerinvestor.com
smartmoney.com

In zwei Blogs fand ich ihn
eins
zwei


Kategorien: Buchtipp

Hinterlasse einen Kommentar

RSS Kommentare2 Kommentare

  1. egghat

    Das größte Manko an dem Buch, dass das Verfahren zwar irgendwie erläutert, aber doch nicht 100% dokumentiert ist. Es bleiben immer kleine Lücken offen und im Endeffekt kann man sich die beiden Zahlen *NUR* von der Website holen. Grmpppf. Damit hat man weder die Möglichkeit, das unabhängig zu überprüfen (für die Vergangenheit), noch hat man die Sicherheit, dass Greenblatt nicht irgendwann Geld dafür nimmt (oder stirbt und das System keiner mehr weiter pflegt). Noch viel schlimmer: Eine Adaption an europäische Verhältnisse ist mangels vollständiger Dokumentation nicht möglich. Das alles entwertet das Buch in meinen Augen nahezu komplett … Schade eigentlich, denn ein vernünftiges fundamentales Buch hätte ich mal gerne wieder gehabt. Aber so scheint mir das viel Brimborium zu sein, dass mit ein paar Geheimnissen
    a) den Gurustatus des Schreibers aufbauen soll und
    b) vertauschen soll, dass Graham/Buffet/etc. im Endeffekt das Gleiche beschrieben haben.

    Bye egghat

  2. Carsten010

    Ich kann mich meinem Vorredner nicht anschliessen.

    Ein Bekannter hatte mich auf das Büchlein aufmerksam gemacht und nach der recht kurzweiligen Lektüre, finde ich den Ansatz ganz bemerkenswert.

    Das einzige Manko für uns Europäer ist es, dass man sich die Zahlen selber aus den Geschäftsberichten saugen muss und nicht wie in den USA eine Webseite hat, die das dokumentiert.

    Dafür hat ABN-Amro jetzt gleich 4 Index-Zertifikate herausgebracht, die nach den Prinzipien Greenblatts aufgestellt sind.

    Auf all diese News bin ich mit ein bisschen Googlen gestossen. Z.B. auch die Info, dass der bekannte Finanzprofessor Haugen aus den USA auch hinter Grennblatts Theorie steht.

    Ist doch schön, oder?

Hinterlasse einen Kommentar

Feed

http://www.boersenweblog.de / Das Börsen Weblog - Eine Zauberformel, um den Aktienmarkt zu schlagen - Finanzen, Geld, Märkte, Kurse, Dax, Börse, Zinsen, Aktien

Impressum