Die Stimmung an der Börse ist schlechter als die Lage
abgelegt im Archiv Anlegersentiment am 10.06.07
Wie ist die Stimmung der Meinungsmacher? Sie sind genauso gespalten wie die Börsianer selbst. Ein paar Eindrücke, was zuletzt so geschrieben worden ist über die Entwicklung an den Börsen.
Nicht wissen macht nichts, heißt im Blog Zeitenwende. Diese Devise können sich in Zukunft viele Anleger in Hinblick auf den Aktienmarkt zu herzen nehmen. Ein Forscherteam des Institutes für Banken und Finanzen der Universität Innsbruck wies im Rahmen eines umfassenden Forschungsprojektes nach, dass mittelmäßig informierte Händler im Schnitt schlechter abschneiden als gänzlich Uninformierte. Die gänzlich uninformierten schneiden wesentlich besser ab als schlecht und mittelmäßig informierte Händler.
Sogar die computersimulierten Zufallshändler erreichen die durchschnittliche Rendite am Markt und können signifikant höhere Renditen als die schlecht und mittelmäßig Informierten erwirtschaften.
Am Rentenmarkt scheppert es: "Was für ein Tag !", stöhnen Analysten in den Banken und Rentenhändler auf dem Frankfurter Parkett. Der Ausverkauf an den Aktienmärkten setzt auch an den Rentenmärkten ein. Seit einer Woche hat der Euro-Bund-Future um mehr als einen Prozentpunkt abgegeben. Allein gestern fiel die Messlatte für die Zinsentwicklung in der Euro-Zone unter hohen Umsätzen um 0,54 Prozent. "Heute Mittag hat es noch einmal richtig gescheppert", sagt Klaus Stopp von der Baaderbank. "Es ist Panik ausgebrochen. Vor allem in den langen Laufzeitbereichen kam es bei Unternehmensanleihen zu einer Ausweitung der Renditeabstände zu vergleichbaren Bundesanleihen", berichtet Rainer Petz von Close Brother Seydler.
Der amerikanische Investor Ken Fisher bleibt dagegen optimistisch, heißt es im Börsennotizbuch. In einem neuen Artikel auf Forbes.com bekräftigt Ken Fisher, dass die wichtigste Kraft hinter der Aktien-Hausse der letzten Jahre die Differenz zwischen den Aktienrenditen und den Zinsen für geliehenes Kapital ist. Übernahmen sind noch immer billig, das wird die Kurse treiben.
Dass es unter Bloggern angeblich immer weniger Bären gibt, interpretiert die FAZ auch schon als schlechtes Zeichen. Derzeit drängt sich der Eindruck auf, dass immer mehr Anleger ihre Skepsis aufgeben. Und das ist schon ein guter Grund, den "Finger am Abzug zu halten", wie es ein Aktienstratege kürzlich formulierte. Sonst gelingt der Ausstieg womöglich nicht schnell genug.
Skeptisch ist auch der bekannte Fondsmanager Hendrik Leber, wie Focus on Markets zitiert: "Die Aktien sind fair bewertet... Der Höhenflug wird allerdings nicht unbegrenzt weitergehen. Im nächsten Jahr könnte es mehrere kalte Duschen geben... Es gibt immer noch zahlreiche Risiken, die den Markt nervös machen: zum Beispiel das Außenhandelsdefizit, die Milliardenübernahmen der Private-Equity-Branche, die Carry-Trades und die Kontraktion der Immobilienkredite in den USA." Das komplette Interview gibt es hier
Nach der Korrektur werde es wieder genauso schnell nach oben gehen, heißt es im Aktientagebuch. Wer also jetzt alles verkauft, wird Mühe haben, wieder rechtzeitig einzusteigen und wird die stärksten Gewinne verpassen, wenn es wieder in Richtung DAX 10 000 gehen wird. Deshalb ergibt sich die Frage: "Wie hält man es also durch, beim Anstieg noch dabei zu sein und nicht schon bald das Handtuch zu werfen?" Mein Blogger-Kollege kauft sich in solchen Situationen ein paar Puts, also Optionsscheine die bei fallenden Kursen steigen. Den "Rest", also die Langfristinvestments, behält er, auch wenn es weiter abwärts geht.

Tags: Börse Aktien Anleger Stimmung Anlegerstimmung
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