Die Postbank ist trotz des Kursabsturzes nur fair bewertet
August 7th, 2007

So hätte es die Postbank gerne: Sie trotzt dem intensivem Wettbewerb in der Branche. Das ist eine gefärbte Sichtweise. Zwar verdiente die Banken im ersten Halbjahr vor Steuern 456 Millionen Euro. Doch das ist eben nur ein Zuwachs von 6,8 Prozent. Wer den fortschreibt, würde ein Kurs-gewinn-Verhältnis von 7 für fair halten. Damit wäre die Aktie vernachlässigbar und nur für vorsichtige Anleger geeignet, weil auf Dauer nicht mehr als sieben bis zehn Prozent Rendite pro Jahr mit dieser Aktie drin wären. Nun können die Postbank und ihr neuer Chef Wolfgang Klein für sich verbuchen, dass sie den Baufinanzierer BHW eingliedern müssen. Das belastet, aber wenn man solcherlei rausrechnet, ergibt sich noch immer bloß ein mageres Ergebniswachstum von 9,6 Prozent. Bei einem KGV von 10 entspräche dies einer fairen Bewertung.
Zwar stieg die Eigenkapitalrendite von 17,1 Prozent auf 17,5 Prozent. Und das Verhältnis von Kosten zu Einnahmen (Cost Income Ratio) verbesserte von 70,1 Prozent auf 68,7 Prozent. Das zeigt, dass Kostenkontrolle auch unter dem neuen Vorstandschef groß geschrieben wird. Doch das allein reicht nicht. Die Postbank muss ihren Kunden mehr Finanzprodukte verkaufen, aber das schafft sie noch nicht im gewünschten Maße. Stattdessen ist von intensivem Wettbewerb im deutschen Privatkundengeschäft die Rede. Das war bisher kein Thema für die aggressive und kostenbewusste Bank aus Bonn und sollte es auch künftig nicht sein.
Kein Wunder, dass Analysten enttäuscht reagierten. Gleich drei große Banken – Lehman, JP Morgan und UBS – haben ihre Kursziele reduziert. JP Morgan meint: zu wenig Dynamik, zu wenig positive Effekte für den Ertrag. Die Börse schloss sich dem an, der Aktienkurs sank deutlich. Wenn daher die Postbank sagt: "Vertrieb gibt Gas", so klingt dies derzeit sehr nach Zweckoptimismus. Entscheidend ist, Finanzprodukte den vielen Menschen auch zu verkaufen, die täglich in die 850 Filialen der Postbank kommen. Das Potential mag gewaltig sein, doch es wird noch schlecht genutzt. Letzteres ist jedoch entscheidend für die Wachstumsaussichten in den kommenden Jahren und damit für die Bewertung der Aktie.
Messen wir die Postbank also an ihren Zielen: "Bis 2008 will sie eine Eigenkapitalrendite von mehr als 20 Prozent vor Steuern und eine Cost Income Ratio im klassischen Bankgeschäft von weniger als 63 Prozent erzielen. Bis 2009 will sie eine Kernkapitalquote von 7,5 Prozent erreichen."
Chart und Nachrichten zur Postbank
Artikel im Handelsblatt
Informationen der Postbank 1
Informationen der Postbank 2
Conference Call der Postbank
Kategorien: Börsentipp



