Die glorreichen Sieben oder welcher Fondsguru die Krise überlebt
August 20th, 2007

Ihre Fonds muss man ja nicht unbedingt kaufen, aber lernen kann sicher jeder Anleger etwas von ihnen. Denn sie gehören zur Investoren-Elite in deutschen Landen: Klaus Kaldemorgen von der DWS, Ulrich Kaffarnik von Dr. Jens Ehrhardt, Hendrik Leber von Acatis, Frank Lingohr von Lingohr & Partner, Markus Gies von Gies & Heimburger sowie Tobias Klein von First Private. Wie richten sie ihr depot aus? Was sollten Anleger meiden und wie geht es weiter an den Börsen? Diese Fragen stellte Euro am Sonntag diesen sieben Fondsmanagern. Was haben sie geantwortet?
Klaus Kaldemorgen: Der DWS-Manager sieht keine dauerhafte Krise und kauft weiter große Standardtitel. Er meidet Aktien mit hoher Verschuldung und honoriert Unternehmen, die viel bare Mittel zur Verfügung haben. Finanzinstitute hat er untergewichtet, Versicherungen gefallen ihm. Dem Dax traut er etwas mehr als 7200 Punkte zu.
Fonds: DWS Vermögensbildungsfonds
Ulrich Kaffarnik: Der Fondsmanager von Dr. Jens Ehrhardt glaubt an eine Korrektur, die mehrere Monate dauern könnte und sieht auf die USA längerfristig Schwierigkeiten zukommen. Obwohl er die Bewertung der Aktien in Europa für vernünftig hält, sichert er seine Positionen ab und hält relativ viel Geld in der Kasse. Für ihn sollten Rohstoffaktien und Versorger noch etwas fallen, dann würde er zugreifen. Banken und Versicherungen kauft er nicht – wegen der Hypothekenkrise und weil keiner weiß, wer die damit verbundenen Kreditrisiken übernommen hat.
Fonds: DJE Dividende & Substanz
Hendrik Leber: Der Acatis-Manager und Buffett-Anhänger sieht keinen Grund für Panik. Er ist schon seit 2006 vorsichtig und sucht nun kurzfristig in der Finanzbranche nach Chancen. Mittelfristig würde er US-Hausbauaktien eventuell kaufen. Vorsicht vor China, Südamerika und Rohstoffaktien, warnt er. Und hält einen Dax von 9000 Punkten für möglich.
Fonds: Acatis Aktien Global
Frank Lingohr: Mitten in der Krise, ja, aber auf die Wirtschaft habe das bisher nicht übergegriffen. Einige Finanztitel seien zu Unrecht gefallen. Hegde-Fonds seien aus Value-Titeln ausgestiegen. Er empfiehlt Privatanlegern, wieder einzusteigen oder aufzustocken.
Fonds: Lingohr-Systematic-LBB-Inv
Markus Gies: Der Manager von Gies & Heimburger hat von Emerging Markets in Pharma-Aktien umgeschichtet und findet, dass eine Cash-Quote von 15 bis 25 Prozent nicht schaden kann. Er findet auch Technologiewerte an der Nasdaq wieder interessant, weil deren Bewertungen herungekommen seien. Die Deutsche Bank würde er vielleicht für 80 Euro kaufen und die Allianz für 135 Euro.
Fonds: 4Q Value Fonds
Mark Mobius: Der Schwellenländer-Experte von Franklin Templeton glaubt langfristig an die Emerging Markets, auch wenn die derzeit schwerere Zeiten durchmachen. Er investiert derzeit vor allem in China, Brasilien, Südafrika, Russland und der Türkei.
Fonds:
Tobias Klein: Der Fondsmanager hält besonders viele Finanzwerte und setzt weiter auf Versicherungen, Banken und Rohstoffaktien. Technologie-Aktien, Pharmawerte und andere defensive Titel meidet er.
Fonds:
Fazit: Ob einer den Stein der Weisen gefunden hat? Alle mögen Aktien, doch im Detail gehen sie sehr unterschiedlich vor. Wer genau hinschaut, stellt fest: Alle sind optimistisch, aber agieren dabei in sehr unterschiedlichen Marktsegmenten. Meine Favoriten sind übrigens Lingohr und Leber. Wie im Film: Von den glorreichen Sieben überlebten in dem berühmten Western ja auch nur zwei oder drei.
Kategorien: Fonds



