Der Börsenforscher Joachim Goldberg glaubt an das Gute im Anleger
abgelegt im Archiv Anlegersentiment am 18.08.07
"Wir sind in einer mittelfristigen Aufwärtsphase". Dieses Zitat geht auf den Verhaltensforscher Joachim goldberg zurück, der in Frankfurt die Firma Cognitrend leitet. Gesprochen mit Goldberg hat der FAZ-Internet-Redakteur Thiemo Heeg, der in einem schönen Interview dem Kapitalmarktforscher einige nette Sätze entlockt hat.
Heeg: Ist das alles noch rational?
Goldberg: Ich gehe mehr und mehr davon aus, dass Börsianer irrational sind.
Heeg: Warum?
Goldberg: Wir konzentrieren uns normalerweise zu sehr auf das, was uns bedrückt, als auf das, was uns helfen könnte...
Heeg: Für Anleger heißt das heute also: Kaufen, kaufen, kaufen?
Goldberg: Nein, dafür ist es definitiv noch zu früh.
Heeg: Zu früh, wir dachten, Sie seien Optimist?
Goldberg: Wer jetzt reingeht, muss einen Plan haben. Er muss an neue historische Höchststände glauben.
Doch das ist schwer, wie selbst Goldberg einräumt. Denn die Investoren nehmen mal wieder die Verluste viel stärker wahr als die Gewinne, die sie zuvor eingefahren haben.
Heeg: Alles ein Problem der Wahrnehmung?
Goldberg: Nun, das ist ähnlich wie bei Naturkatastrophen: Das erste Opfer wird stärker wahrgenommen als die nächsten 10000. Auf die Wirtschaft gedreht: Die erste Milliarde Verlust ist schlimmer als die folgenden.
Also gewöhnen wir uns doch an die Verluste, stumpfen wir ab. Dann werden wir irgendwann auch wieder zuversichtlicher und glauben auch erneut an 9000, nein gar 10000 Punkte im Dax. Und wenn das alles nichts hilft, gibt es ja noch Hubschrauber-Ben: Der amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke wird die Welt sicherlich mit soviel Dollar fluten, wenn die amerikanische Konjunktur leiden sollten, dass die Aktienkurse an der Wall Street einfach hoch gehen müssen. Einen kleinen Anfang hat er ja am Freitag schon gemacht. Die nächste Zinssenkung in Amerika kommt bestimmt. Und wenn Amerikas Konjunktur läuft, ist das auch gut für unsere Dax-Unternehmen.

Tags: Goldberg Anlegerverhalten Börsenstimmung
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