Commerzbank-Chefstratege Jörg Krämer glaubt an eine starke Zinssenkung in Amerika
August 22nd, 2007

Die jüngste Senkung des eigentlich nicht so wichtigen Diskontsatzes in Amerika verändert die Zinslandschaft der Welt. Sinkende Zinsen in Amerika werden nun ebenso wie eine stabile Geldpolitik in Euroland wahrscheinlicher. Einer, der dies sofort erkannt hat, ist Jörg Krämer, der agile Chefvolkswirt und Stratege der commerzbank in Frankfurt. Krämer glaubt, dass die Fed ihren Leitzins in den kommenden Wochen von 5,25 auf 4,75 Prozent senkt und die EZB ihre Zinserhöhung absagt, die eigentlich fest für den September vorgesehen war. Warum?
Die hohen Leitzinsen der Fed dämpften bereits das Wachstum seit Monaten, sagt Krämer. Er fand deshalb schon länger Zinssenkungen wahrscheinlicher als Zinserhöhungen. Die Diskontsenkung hat ihn da nur bestärkt. Denn die Fed betone nun, dass die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum "beträchtlich" gestiegen seien. Um diese Risiken zu minimieren, würden die amerikanischen Währungshüter wohl über ihren Schatten springen und auch den wichtigeren Leitzins, den Tagesgeldsatz, senken.
Da das Geschehen an den Märkten einen starken Einfluß ausübe, seien Leitzinsprognosen aber schwieriger als sonst. Er hält es daher mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Drittel für möglich, dass sich die Finanzmärkte rasch beruhigen. Dann könne die Fed alles so lassen und Europa zur Tagesordnung übergehen.
Hierzulande war Krämer seit vielen Monaten davon ausgegangen, dass die EZB ihren Leitzins im September und Dezember jeweils um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent erhöht. Nun glaubt er, dass die EZB ihre angekündigte Leitzinserhöhung absagen und auch später die Leitzinsen nicht über vier Prozent hinaus erhöhen wird. Denn erstens habe sich Bundesbank-Präsident Weber, ein ausgesprochener Falke, am Freitag in einem Interview geweigert, das Schlüsselwort "Wachsamkeit" in den Mund zu nehmen. Damit hatte die EZB bereits auf ihrer letzten Sitzung Anfang August de facto höhere Leitzinsen angekündigt. Außerdem wies Weber darauf hin, dass die EZB sowohl für Preisstabilität als auch Finanzmarktstabilität verantwortlich sei.
Zweitens seien Zinsschritte auf 4,5 Prozent auch unwahrscheinlich geworden, weil zuletzt deutlich geworden sei, dass die Euro-Wirtschaft bereits im vierten Quartal 2006 ihren Höhepunkt überschritten habe. Krämer: "Die Konjunktureuphorie hat sich nicht nur wegen der US-Immobilienkrise gelegt. Wenn also die Fed ihren Leitzins senke, dürfte die EZB auch nicht später, etwa im Oktober, erhöhen. Letztlich werde sie wohl nicht die Risiken ignorieren, die die Fed zu einer Zinssenkung veranlasst hätten.
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Interessant!
Aber dass der Diskont Satz “nicht so wichtig” würde ich nicht unterschreiben. Immerhin kann sich jede Bank zu diesem Zinssatz Geld bei der FED leihen. Damit sind jegliche Ausschläge der Fed-Funds über dieses Niveau eigentlich ausgeschlossen. Gerade in unsicheren Zeiten wie diesen eine IMHO sehr wichtige Sache. Jede Bank bekommt zu diesem (jetzt gesenkten) Zins beliebig viel Geld bei der FED. Das würde ich nicht unterschätzen.
Bye egghat