Börsenstar Arques übernimmt den Computerhändler Actebis und wächst in neue Dimensionen
abgelegt im Archiv Börsentipp am 26.07.07
Über die Beteiligungsgesellschaft Arques Industries kursieren noch viele Missverständnisse und Fehlinformationen. Das lehrt mich ein Blick in das Studentennetzwerk StudiVZ. Dort diskutieren Studenten sehr eifrig über die Aktie, die in diesem Jahre eine sagenhafte Entwicklung hinter sich hat. Die Aktie hat sich verdreifacht, der Börsenwert erreicht nun fast eine Milliarde Euro und die Aufnahme in den Börsenindex Mdax dürfte im September nur noch eine Formsache sein. Und nun hat arques auch noch von der Otto-Gruppe einen IT-Großhändler mit einem Umsatz von 2,5 Milliarden Euro gekauft. 110 Millionen Euro kostete das. Das ist so wenig, weil Actebis nur eine niedrige Marge hat, netto wohl unter einem Prozent, was aber dennoch gut sein soll. Was zeigt dies alles?
Es wäre gut gewesen, meinem Börsentipp am 1. Juni zu folgen. Damals lag die Aktie noch deutlich niedrig. Spaß beiseite und nun im Ernst: Obwohl erst vier Jahre am Markt, wird Arques inzwischen viel stärker wahrgenommen - von Anlegern in aller Welt wie von Verkäufern, die gerne ein marodes Unternehmen los werden würden. Das Besondere an dem Actebis-Deal ist zudem, dass Arques ein profitables und gutes Unternehmen kauft - und zwar deshalb etwa 20 Millionen Euro unter dem Substanzwert, weil der Verkäufer Otto einen soliden Käufer suchte, der das Unternehmen gut, ohne Entlassungen weiterentwickeln würde. Dies wird Arques inzwischen auch in dieser Größenordnung zugetraut. Die notwendigen Anpassungen bei Actebis sind anscheinend so gering, dass die Gesellschaft schon 2008 an die Börse gebracht werden könnte, um sich dann mit neuer Power zum führenden Großhändler für IT, Computer und Software zu entwickeln. Stichwort: Branchenkonsolidierung. Nur der Große gewinnt am Ende.
Nach dem starken Kursanstieg der letzten Woche bezweifeln sicher manche, dass es weiter gehen wird. Das ist deshalb gut möglich, weil es keineswegs an interessanten Übernahmeobjekten mangelt - in jeder Größe und überall in Europa. Sogar nach Amerika will Arques sein Geschäftsmodell tragen. Das geht, weil es die Spezialität der Gesellschaft aus Starnberg sehr selten gibt: Mit wenig Eigenkapital und unter Substanzwert kaufen, ohne ein Unternehmen mit Schulden zu überhäufen, und dann ein Unternehmen in einem negativ bewerteten Umfeld zu entwickeln - das macht in dieser Form keiner. Das Risiko für Anleger bleibt begrenzt: Gelingt die Sanierung durch die Arques-Spezialisten nicht, ist nicht viel verloren. Gelingt sie jedoch, sind die Gewinne gigantisch.
Degussa, Karstadt-Quelle und Otto waren bisher bevorzugte Partner von Arques für Unternehmensabspaltungen. Künftig werden auch andere Großunternehmen die Starnberger in ihre Überlegungen einbeziehen. Welcher Unternehmenschef will schon solch ein Image-Desaster haben wie Siemens mit BenQ? Das Beispiel kennt jeder inzwischen, und es spielt Arques perfekt in die Hände.
Insgesamt sehe ich daher mittelfristig noch weiteren Spielraum für den Kurs. Ob und wann er sich erneut verdoppelt, vermag ich aber natürlich nicht zu erraten. Ich bin nun erst einmal auf die neuen Prognosen des Unternehmens gespannt und die nächsten Kursziele von Analysten. Kurzfristig dagegen ist sicher eine Konsolidierung angesagt, denn die höchsten Kursziele der meisten Analysten sind viel schneller als erwartet erreicht worden. Daher erhöhte die Deutsche Bank nun flugs das Kursziel: von 38 Euro auf 46 Euro.
Chart und Nachrichten zu Arques
Pressemitteilung Arques zu Actebis
Präsentation zu Actebis
Webseite von Arques
Video der Hauptversammlung
Präsentation zur Hauptversammlung
Geschäftsbericht von Arques

Tags: Beteiligungsgesellschaft Private+Equity Handel Industrie Otto Degussa KarstadtQuelle
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