Ausländer beweisen Siemens ihre Macht
April 21st, 2007

Nun ist Heinrich von Pierer doch gewichen. Der ehemalige Chef von Siemens hing bis zuletzt an seinem Amt als Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens. Dabei war längst klar, dass er zumindest die politische Verantwortung für all die Korruptionsvorwürfe übernehmen musste. Schließlich war er von 1992 bis 2005 Vorstandsvorsitzender des Konzerns. Die ausländischen Aktionäre haben das früher als die Inländer erkannt und ihm auf der hauptversammlung im Januar eine deftige Ohrfeige verpasst. Denn bei seiner Entlastung als Aufsichtsratschef stimmten nur zwei Drittel der Aktionäre dafür. Üblich sind 100 Prozent.
Hinter diesem Ergebnis steckte insbesondere der Stimmrechtsberater ISS . Das Unternehmen aus Amerika bestimmt vor allem das Verhalten amerikanischer Aktionäre auf Hauptversammlungen. Vor Jahren wurde es kaum wahrgenommen. Inzwischen hat es sich aber zu einer heimlichen Macht auf den Aktionärstreffen entwickelt. So sehen es zumindest viele deutsche Experten. ISS selbst will seine eigene Rolle nicht so prominent bewertet wissen.
Der Fall Siemens belegt nun, welche Langzeitwirkung der Druck aus dem Ausland entfaltet. Für andere Dax-Manager, die Grundsätze guter Unternehmensführung gerne mißachten, ist das eine Warnung. Für private Anleger entwickelt sich der Einfluss von ISS jedoch zum Problem: Künftig ist nicht mehr auszuschließen, dass Vorstände die Berater von ISS über Gebühr hofieren, um peinliche Niederlagen auf Hauptversammlungen zu vermeiden.
Was bedeutet all dies nun für die Siemens-Aktie? Sie stieg zuletzt, weil das Management auf dem richtigen Weg scheint. Die jüngsten Zahlen nahm die Börse gut auf. Doch Siemens ist vorerst wohl nicht mehr als eine durchschnittliche Entwicklung zuzutrauen. Darauf deuten jedenfalls die aktuellen Bewertungen hin – es sei denn, der Konzern kann künftig seine Stärken voll ausspielen und von vielfältigen Infrastrukturinvestitionen profitieren. Künftig hoffentlich ohne Korruption. Ok, ok, fromme Wünsche dürfen wir doch auch haben …
Kategorien: Anlegersentiment



