Aufkommen der Fondsindustrie signalisiert weiterhin Verunsicherung

August 19th, 2006

Aufkommen der Fondsindustrie signalisiert weiterhin Verunsicherung

Der letzte statistische Überblick des BVI (Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften e.V.) zum 31.07.2006 ist raus. Ich verfolge gern diese Entwicklung, denn sie repräsentiert (natürlich unter mehreren Einschränkungen) ein tatsächliches Anlageverhalten der deutschen Privatanleger.

Sentimentindikatoren, die hauptsächlich durch Befragungen erhoben werden, können natürlich auch eine brauchbare Hilfe bei der bestimmung der Börsenlage sein, doch die Mittelzu- und -abflüsse der Fondsindustrie signalisieren nicht nur die Stimmungslage unmittelbarer, sie haben auch einen starken Einfluss auf die Investitionsspielräume und -entscheidungen der Fondsmanager. Ziemlich nach dem Motto "Kommt Geld, muss man investieren; fließt Geld ab, muss man sich von Positionen trennen". Und zwar ziemlich unabhängig davon, ob der Fondsmanager die Lage gleich wie seine Kunden sieht oder nicht.

Also, wie sah es im Juli aus?…
Mit einem Wort – verhalten. Die (reinen) Aktienfonds haben insgesamt 458,6 Mio. Euro eingesammelt (nach einem "katastrophalen" Monat Juni mit Abflüssen in Höhe von 2.251,5 Mio. Euro). Dies ist nicht viel. Soweit in diesem Jahr stehen "wir" sehr deutlich im Minus: 2.351,7 Mio. Euro haben die (deutschen) Anleger den hiesigen (und Luxemburger) Fonds netto entzogen.

Ich weiß, dass sich Zertifikate und sonstige strukturierte Produkte von Banken und Brokern großer Beliebtheit in den letzten Jahren erfreuen, die hier nicht berücksichtigt werden. Aber es soll mir keiner erzählen, dass wir von einem Optimismus angesichts dieser dicken Minuszeichen sprechen können. Das ist Vorsicht, ja fast Ängstlichkeit.

Die bis zu diesem Frühjahr großen Lieblinge der deutschen Fonds-Anleger – die Rentenfonds – verzeichnen mittlerweile deutlich negative Mittelaufkommen. In Juli alleine sind dort 1.528 Mio. Euro abgeflossen (nach ebenso sehr schwachen Juni mit Minus 2.765,5 Mio Euro). Aufs Jahr summieren sich immerhin ein kleines Plus von 765,6 Mio Euro Zuflüsse. Offensichtlich haben sich zum einen die schwächere Performance etwa seit Oktober-November letzten Jahres, und, zum anderen, natürlich das heiß diskutierte Inflationsthema – Angst und Schrecken der Renten-Anleger – ausgewirkt.

Und wohin floss das Geld?…

In etwa lässt sich beobachten, dass Geldmarktfonds, wertgesicherte Fonds und Spezialfonds (Investmentfonds, die nur einem begrenzten Anlegerkreis vorbehalten sind; meist handelt es sich um institutionelle Anleger, wie zum Beispiel Versicherungsunternehmen, Pensionskassen, Stiftungen etc.) weiterhin beim Publikum punkten können.

Also, ich würde sagen – viel Vorsicht "und das ist gut so". Denn – auch wenn wir eine empfindlichere konjunkturelle Abkühlung bekommen, die Anleger haben durch ihre Skepsis die Kurse (wahrscheinlich) auf einem soliden Niveau gehalten.

Die Daten von BVI (für Juli) sind hier (.pdf) zu finden.


Kategorien: Fonds

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